Einleitung
Das hier ist ein begleitender Artikel zu unserem Beitrag zum Adventskalender des Engineering Kiosk Podcasts.

Einen herzlichen Dank an Andy und Wolfi dafür, dass wir euch damit einen kleinen Einstieg und hoffentlich weihnachtliche Bastel-Motivation für den Start in ein offenes Smart Home mit Home Assistant geben durften.
In diesem Artikel fassen wir nochmal die Optionen zusammen.
Bevor es los geht, hier eine Home Assistant Demo, damit ihr wisst, wovon wir reden:

Hardware
Home Assistant ist die Zentrale deines Smart-Homes. Dafür brauchen wir aber ein kleines Stück Hardware. Das Gute ist: Home Assistant läuft auf sehr viel Hardware und hat einen moderaten Ressourcenverbrauch.
Man muss sich nur entscheiden, ob man einfach kaufen und starten will oder ob ein bisschen Basteln auch okay ist.
Warum kein Raspberry Pi
Die übliche Empfehlung war oft: Nimm einfach einen Raspberry Pi. Aber der Pi ist weder günstig noch besonders gut geeignet. Das liegt daran, dass er primär immer noch auf SD-Karten als Speicher setzt. Die sind nicht nur langsamer als die besseren Alternativen, sondern halten in der Regel auch nicht so lange.
Du hast schon einen Pi? Dann nimm ihn ruhig, um sofort loszulegen - Migrieren kannst du später immer noch und das geht super einfach mit dem Home Assistant Backup. Alles ab 4 GB RAM ist geeignet.
Ansonsten schau dir lieber die anderen Lösungen an.
Die Out of the Box Lösung
Du willst einfach nur Netzwerkkabel und Strom anstecken und es soll laufen?
Dann gibt es den Home Assistant Green für ca. 110 Euro:

Das mag vielleicht langweilig klingen, weil es so einfach ist. Aber wir können gar nicht zu stark betonen, wie sehr wir zu einem Einstieg mit dem Home Assistant Green raten würden.
Der Home Assistant Green ist nach dem Blue und dem Yellow bereits die dritte Hardware Plattform, die von der Open Home Foundation selbst entwickelt wurde und mit Home Assistant vorinstalliert ausgeliefert wird. Ein wirklicher Plug-&-Play-Einstieg ins Smart Home, den wir dir ausnahmslos empfehlen können.
Hardware-seitig bekommst du damit:
- 4 x 1.8GHz Arm Prozessor (Rockchip RK3566)
- 4 GB RAM
- 32 GB eMMC Speicher
- Absolut leise, da kein Lüfter verbaut ist
- Stromverbrauch:
- Idle: 1.7 Watt
- Last: 3 Watt
Das reicht locker für die allermeisten Anwendungsfälle.
Die DIY Lösung
Im Grunde kann Home Assistant auch auf jeder PC Hardware laufen. Ob ein alter Laptop, der bereits ausgedient hat, ein Standard-PC oder ein praktischer und beliebter Mini-PC. Zum Loslegen reichen sie alle.
Einzige Voraussetzung:
- CPU mit 64-Bit
- UEFI Boot
Die meisten Systeme der letzten 10 Jahre sollten diese Anforderungen erfüllen.
Hardware finden
Hast du schon ein Stück Hardware da, nimm ruhig das. Ansonsten recherchiere ein wenig, was zu deinen Anforderungen passt. Form-Faktor, Stromverbrauch, Lautstärke sind häufig relevante Kriterien.
Der Intel N100, N150-Prozessor wird in der Home Lab Community oft gelobt und reicht mehr als aus, wenn es unbedingt was Neues sein muss. Da gibt es auch Mini-PCs im Bereich von 100-400+ Euro.

Aber ältere und damit günstige Prozessoren sind auch mehr als ausreichend. Ab 2017 mit der 8. Generation Intel wird es interessant. Bei AMD ab Ryzen 2000 von 2018.
Im Idle verbrauchen die besonders wenig und kommen auch auf gute Werte mit 5-20 Watt, je nachdem, was man damit macht.
Gerade hier sind Mini-PCs und Thin-Clients aktuell eine beliebte Wahl. Die sind gebraucht günstig zu bekommen und vereinen den leisen und stromsparenenden Betrieb mit einem Plus an Power und niedrigen Anschaffungskosten. Modelle gibt es von allen namhaften Herstellern, wie Lenovo, HP, Dell o.ä.
Wer mehr darüber lesen möchte, sollte sich das Projekt TinyMiniMicro von ServeTheHome anschauen:

Installation
Hast du die Hardware? Dann musst du Home Assistant installieren. Mit Home Assistant OS gibt es eine offiziell unterstützte Installation, die du verwenden kannst. Damit läuft Home Assistant nicht nur in einer erprobten und sehr verbreiteten Konfiguration, sondern bietet dir auch die Möglichkeit an, zusätzlich noch Addons zu installieren.
Um Home Assistant OS zu installieren, brauchst du ein Image. Das musst du dann auf die SSD deiner Hardware schreiben. In der folgenden Anleitung ist alles Schritt für Schritt beschrieben:

Damit du die maximale Stromersparnis aus deiner Hardware rausholst, solltest du aber vorher noch einen Blick ins BIOS/UEFI werfen. Aktiviere alle C-States, die deine Hardware hergibt. Das hilft dem OS dabei, im Idle weniger Strom zu verbrauchen. Ein BIOS/UEFI Update kann auch nicht schaden.
In unserem Podcast sprechen wir über die Home Assistant Installation. Aufgrund meiner Ignoranz Dokumentation zu lesen, hat das bei mir erst nach dem dritten mal geklappt 😅

Companion App
Für den Start braucht man sich gar keine smarten Geräte zu kaufen. Die Companion App von Home Assistant auf iOS und Android bietet nicht nur Zugriff auf das Home Assistant Webinterface, sondern auch auf viele Sensoren des Smartphones.
Praktisch sind Standortdaten. Damit kann man sich gegenseitig benachrichtigen, wenn jemand von der Arbeit losfährt oder einfach nachvollziehen, dass man doch fauler war als gedacht und den ganzen Tag zu Hause war. 😉
Mein liebster Sensor ist mein nächster Alarm vom Handy und dementsprechend gehen die Rollos im Sommer kurz vorher ein wenig auf.

Zigbee
Für Zigbee brauchst du erstmal einen Adapter, der Zigbee spricht. Da gibt es einige auf dem Markt. Auch die Open Home Foundation hat vor kurzem mit dem ZBT-2 einen rausgebracht, der besonders Wohnraum-tauglich ist. Der wird per USB an dein Home Assistant Gerät angeschlossen.

Wir bevorzugen allerdings Zigbee-Adapter mit Ethernet Anschluss. Das hat einfach den Vorteil, dass du das Gerät an einer anderen Stelle im Haus verbauen kannst. Direkt an dem Home Assistant Gerät mag nicht immer Sinn ergeben, wenn der zum Beispiel im Keller oder in einem abgelegenen Abstellraum steht. Neben Ethernet können die Adapter auch mit WiFi ins Netz gehen - damit ist man völlig flexibel. Für eine optimale Stabilität solltest du aber zum Kabel greifen.
Bekannte Hersteller sind hier unter anderem SMLIGHT und SONOFF. Der SMLIGHT SLZB-06 scheint in der Community sehr beliebt zu sein und ist auch bei mir schon seit Jahren im Einsatz.

Mit dem CC2652P-Chip ist er auch kompatibel mit Zigbee2MQTT.
Zigbee2MQTT vs ZHA
Hier muss man sich entscheiden, ob man das integrierte ZHA von der Open Home Foundation nutzen will oder Zigbee2MQTT.
Persönlich haben wir nur eingeschränkte Erfahrung mit ZHA. Es ist die integrierte Variante und braucht keine Zusatzsoftware. Damit integriert es sich besser ins Interface von Home Assistant, hat allerdings in der Vergangenheit nur weniger Geräte unterstützt.

Zigbee2MQTT setzt das MQTT und Zigbee2MQTT Add-On voraus. Es ist ein separates Projekt mit einem eigenen Webinterface, das über das Add-On bereitgestellt wird.

Die Entscheidung liegt im Endeffekt dabei, wo deine Zigbee-Geräte unterstützt sind. Bei Zigbee2MQTT wird es sehr wahrscheinlich sein und kann in deren Datenbank recherchiert werden:

Bei ZHA gibt es eine solche Datenbank, meines Wissens, nicht.
Was noch?
Ab hier wird es sehr individuell!
Thread/Matter?
Willst du Thread/Matter? Die Geräte sind recht teuer und können noch nicht so viel wie dieselben Geräte mit Zigbee. Es dauert noch, bis der Standard so weit ist.
Der oben erwähnte Home Assistant Connect ZBT-2 für Zigbee kann auch als Thread Boarder Router betrieben werden (dann ohne Zigbee):

Und bei den Ethernet Zigbee Adaptern gibt es mit dem SMLIGHT SLZB-MR1 z.B. auch einen, der beides gleichzeitig unterstützt: Zigbee und Thread. Über den haben wir übrigens auch schon mal gesprochen:

Zwave
Du willst Zwave oder Zwave Long Range? Ja, diese Netze haben nichts miteinander zu tun! Die Open Home Foundation hat auch da einen eigenen Adapter mit dem Home Assistant Connect ZWA-2 rausgebracht:

Aufgrund von fehlender Erfahrung und auch wenig Geräten auf dem Markt können wir dazu aber nicht viel sagen. In der Theorie soll Zwave aber durch sein 800-MHz-Band viel weiter kommen als Zigbee oder WiFi. Wir reden hier von mehreren 100 Metern - in der Theorie.
Viel Spaß
Jetzt wünschen wir euch viel Spaß beim Basteln und Ver(schlimm)bessern eures bald Smarten Heims und eine schöne Weihnachtszeit!
Wer jetzt noch mehr über Home Assistant wissen will, dem empfehle ich die Folge #203 Die Struktur hinter dem weltweit größten Open Source Projekt mit Pascal Vizeli von Home Assistant des Engineering Podcasts. Super spannend!













